Gefälschte Kundenbewertungen (Astroturfing) aussortieren
Die US-Handelsbehörde Federal Trade Commission (FTC) hat kürzlich neue Regeln angekündigt, die gefälschte Bewertungen und Testimonials eindämmen. Könnte sich die „Produktbewertungsbranche“ etwas von der Finanzbranche abschauen, um der Plage gefälschter Bewertungen ein Ende zu setzen – und zugleich Bußgelder der Aufsicht zu vermeiden?
Fake-Bewertungen k*tzen mich an. Objektive Kaufentscheidungen werden unglaublich schwer, wenn man weiß, dass eine riesige Zahl von Verkäufern auf Marktplätzen wie Amazon das System im Grunde austrickst.
Gefälschte Bewertungen sind schwer zu erkennen, und sie machen „nach Bewertung sortieren“ auf Marktplätzen nahezu sinnlos. Normale Verbraucher, die nicht den Vorteil meiner zynisch getönten Brille haben, werden übers Ohr gehauen, wenn sie Produkte auf Basis gefälschter Bewertungen kaufen.
Kümmert das die Branche – also die Unternehmen, die nutzergenerierte Bewertungen hosten – überhaupt?

Offenbar schon: 2023 wurde die „Coalition for Trusted Reviews“ gegründet. Zu ihren Mitgliedern zählen Amazon, Glassdoor, Tripadvisor, Trustpilot und Booking.com; auf ihrer Website heißt es, man habe sich verpflichtet, „vertrauenswürdige Verbraucherbewertungen weltweit zu schützen und zu fördern“.
Die Koalition konzentriert sich auf vier Initiativen:
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Industry Alignment
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Best Practice Sharing
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Bad Actor Intelligence
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Advocacy
Gerade beim Punkt Bad Actor Intelligence könnte die Bewertungsbranche meines Erachtens etwas Konkretes von der Finanzbranche lernen.
Eine der tragenden Grundlagen der Finanzbranche ist der Datenaustausch über Auskunfteien. Nehmen Sie einen Privatkredit auf, und Ihre örtlichen Auskunfteien erfahren bald davon. Versäumen Sie eine Rate Ihrer Autofinanzierung, spiegelt Ihre Bonitätsauskunft diese versäumte Zahlung wider. Beantragen Sie eine Baufinanzierung, wird Ihr Score im Rahmen des Verfahrens geprüft.
Dass Ihre Daten (üblicherweise eine Voraussetzung, um überhaupt eine Finanzierung beantragen zu können) mit Auskunfteien geteilt werden dürfen, ist eine zentrale Grundlage dafür, dass Finanzinstitute darauf vertrauen können, dass die Personen, denen sie Geld leihen, ihre Raten auch bedienen können.
Qlarifi und Infact sind zwei Unternehmen, die das klassische Auskunfteigeschäft aufmischen, indem sie Kreditdaten in Echtzeit beschaffen und Finanzdienstleistern bereitstellen. Ich glaube, hier liegt eine Chance: Jemand könnte eine „Bewertungsauskunftei“ in Echtzeit für Verbraucherbewertungsdaten aufbauen.
Unternehmen wie Trustpilot investieren bereits erhebliche Summen in die Erkennung gefälschter Bewertungen. Eine Bewertungsauskunftei würde es ihnen erlauben, Angaben zu Bad Actors in Echtzeit mit einer zentralen Stelle zu teilen. Noch bevor eine neu registrierte Person oder ein Kunde auf einer Plattform eines Koalitionsmitglieds überhaupt eine Bewertung geschrieben hat, würde eine kurze Abfrage der Bewertungsauskunftei verraten, ob diese Person zuvor bei anderen Mitgliedern verdächtige oder gefälschte Bewertungen erstellt hat.
Hätte es ein solcher Bad Actor geschafft, mehrere Bewertungen zu veröffentlichen, die sich später als gefälscht erweisen, würden diese von der Bewertungsauskunftei miteinander verknüpft. Alle Koalitionsmitglieder hätten damit ein klares Bild davon, dass die Bewertungen dieser Person nicht veröffentlicht werden sollten. Insbesondere könnte dieser Ansatz Unternehmen stoppen, deren Geschäftsmodell einzig darin besteht, Händlern „Fake-Review-Services“ anzubieten, die verzweifelt ihre Bewertungen aufpolieren wollen.
Idealerweise würde eine solche Bewertungsauskunftei (mit ausdrücklicher Einwilligung) auch Daten über echte Bewertungen* teilen – so wie Auskunfteien Daten über die große Mehrheit derjenigen enthalten, die pünktlich zahlen, und nicht nur über säumige Schuldner. So wüssten Bewertungsplattformen nicht nur, wem nicht zu trauen ist, sondern auch, welche Bewertenden besonders vertrauenswürdig sind.
Eine solche Bewertungsauskunftei müsste von einer vertrauenswürdigen dritten Partei betrieben werden – vielleicht von einer bestehenden Auskunftei wie Regis24, die ohnehin Identity-Resolution-Technologie in Echtzeit einsetzt, die sich für diesen Anwendungsfall leicht anpassen ließe.
Stellen Sie sich vor, Sie lesen Bewertungen auf Amazon in dem Wissen, dass alle gefälschten Astroturf-Bewertungen aussortiert wurden. Stellen Sie sich vor, Sie stöbern auf Tripadvisor und wissen, dass die Restaurantbewertungen nicht alle von den Kumpels der Wirte stammen. Das wäre großartig und würde die Vertrauenswürdigkeit all dieser Plattformen deutlich erhöhen – zum Vorteil der Verbraucher, die nicht länger getäuscht würden.
Ich bin sicher, dass diese Koalitionsmitglieder gefälschte Bewertungen ohnehin angehen wollten, doch dank der FTC haben sie jetzt einen handfesten finanziellen Anreiz dazu: Bußgelder wegen Verstößen zu vermeiden. Und dann sagt noch jemand, Aufsichtsbehörden würden nichts Nützliches tun.
*Anmerkung: Jedes Bewertungsportal könnte auch sein eigenes Identity-Resolution-System in Echtzeit nutzen, um doppelte Bewertungskonten zu erkennen, ohne Daten an eine zentrale Stelle zu übermitteln.
Sehen Sie, was aufgelöste Entitätsdaten für Ihr Unternehmen — und Ihre KI — leisten.